Samstag, 9. Mai 2009

Ohne politische werden zu wollen...Ruanda: April 1994

Jedes Jahr im April. Weiß-purpur überall - Symbolfarben. In diesen Tagen wird im ganzen Land an den Genozid vom April 1994 gedacht. Ich habe keine Vorstellung davon, lebe aber täglich mit Menschen zusammen, die Schreckliches in dieser Zeit erlebt haben. Die Leute reden nicht einfach so mit dir darüber. Viele möchten und können sich nicht erinnern. Erst recht nicht in Gegenwart eines Muzungus. Wir saßen letztens zusammen, u.a. auch ein Ruander. Wir haben "Shooting Dog" gesehen. Nachdem ich herausgefunden habe, warum der Film diesen Titel trägt, konnte ich nicht mehr. Ich habe mich in die Küche zurückgezogen. Der Ruander guckte sich den Film bis zum Schluss an.
Als Deutsche kennt man ja seine eigene Geschichte. Aber die scheint für mich lange her, in einem Deutschland, dass ich nie kennengelernt habe. Hier in Ruanda werde ich mit jüngster Geschichte konfrontiert und mit den Schicksalen - die sind ganz nahe um einen herum, Tag für Tag. Verurteilungen bei Dorfgerichten, an denen man vorbeifährt,Waisen, Aids...

Trotz allem scheint mir in der jungen Generation eine beflügelte Hoffnung in die Zukunft zu existieren.

HOPE - das Zauberwort.

Mit Hoffnung schreitet das Land der Vision 2020 entgegen. Ob da alle drauf hoffen können...?

Trotz allen Schwierigkeiten, mit denen das Land zu kämpfen hat, so leicht zerbrechlich es auch sein möge, es hat alle Chancen und ich wünsche sie ihm!!!

Genug gesagt zu Dingen, die ich nicht begreifen kann - zu meinem Glück! Denn das ist es doch, was darüber entscheidet in welcher Zeit und an welchem Ort wir geboren werden...

Genozid Ruanda ist übrigens nicht nur ein ruandisches Problem... Sieh dir zum Schluss noch diesen Link an:

http://www.polaronline.de/article.php3?id_article=979

Sonntag, 12. April 2009

Für Papa oder Baukünste und andere ruandische Missgeschicke

Ich bin immer wieder erstaunt wie bei so krummen Gerüsten doch noch gerade Mauern entstehen können.








Sehr vorbildlich hier am Bau - Bauarbeiter mit Helm. Sehr selten!!! Und noch ein kleines Ratespiel:
Wieviel verdient so ein Bauarbeiter umgerechnet am Tag?
Wenn er gelernt hat und sich gut verkaufen kann vielleicht 2-3 EUR. Handlanger natürlich bedeutend weniger.
So, hoffe, das Video klappt!








Stone Town 2 - Sansibar

So sieht eine typische Gasse in Stone Town aus - schmal, hoch, schattig.











Als ich diese Zeichen zum ersten Mal in Stone Town entdeckt habe, war ich doch ein Wenig erschreckt. Doch alles halb so wild. Dieses Zeichen sympolisiert im Hinduismus die Sonne und steht für Energie. Auf jeden Fall nicht für das, was wir aus Deutschland kennen.
Gefunden haben wir das übrigens gleich um die Ecke eines Hindutempels.



Hier steht Sarah vor eben genanntem. Wirklich kitchig und total aufwendig verziert. Man darf sich auch als Tourist dort umsehen und das haben wir auch getan. Aber bitte vor der Tür die Schuhe ausziehen!
Na klar doch!







Auf dem Weg zum Strand











Et voila! Wenn das mal keine Aussicht ist für ein entspanntes Mittagsessen.

Stone Town 1 - Sansibar

Stone Town ist das historische Stadtviertel von Sansibar Stadt - der Hauptstadt von Sansibar. Das historische Viertel zählt wegen seiner einzigartigen Architektur - ein Mix aus 1001 Nacht, Korallenstein und afrikanischen Einflüssen - als Weltkulturerbe.

Besonders auffallend, herrlich anzusehen und an jeder Ecke zu finden, die kunstvoll angefertigten Holzportale.





Neben den Low-Budget Gästezimmern gibt es natürlich auch Hotelpaläste, in denen Träume aus 1001 Nacht wahr zu werden scheinen. Leider konnte ich das nicht selbst ausprobieren, da meine Geldbörse viel zu schmal für eine Nacht in einem solch Traumhaften Palast gewesen ist.








Typisch afrikanisch - Der Affenbrotbaum (Baobab). Hier ein eher schmales Exemplar. Vergleiche mal den Baumstammdurchmesser mit dem Auto, das auf dem Bild zu sehen ist!!! Ist doch erstaunlich, oder?!!









Der typische Baustil von Stonetown. Prachtvoll und aufwendig im Detail.







Arabisch-ist doch klar! Oder sieht das etwa nach Landhausstil aus ;)

Dienstag, 24. Februar 2009

Sansibar, ohh ho oh, Sansibar...





... Vater Rhein und Mutter Afrika...

Sansibar, eine fast politisch autonome Insel im Indischen Ozean, der Ostküste Tansanias vorgelagert. Berühmt, berüchtigt für ihren Gewürz- und Sklavenhandel. Überwiegend muslimisch geprägt.
Mehr zu den Basisinformationen zu Sansibar (engl. Zanzibar) findet ihr ganz leicht im Internet. Deswegen hier nur meine persönlichen Eindrücke, Erlebnisse und Erinnerungen.

Sansibar gehört für mich landschaftlich zu meinen Traumorten der Erde. Ihr schlagt den Reisekatalog aus eurem Reisebüro des Vertauens auf, der den Titel "Traumurlaub an Traumstränden 2009" trägt. Ihr findet euer Traumziel - kristallblaues Meer, weiße, einsame Sandstrände, Lufttemperaturen von 30°-40° C und Wassertemperaturen,
die nicht wirklich eine Abkühlung
bedeuten. Die Strände sind mit Kokosnußpalmen gesäumt und der Bungalow liegt 3 m vom Strand entfernt. Zumindest bei Flut ;) So ist Sansibar, zumindest an der Östküste der Insel.
Auf diesem Bild siehst du den Flachwasserbereich bei Ebbe. Wenn man da hindruch watet, ist das wie in einer Salzwüste - erbamungslose Hitze, kein Schatten, das Licht wird von den Wasserpfützen reflektiert und brennt dir in deine Hornhaut (deswegen auch die modisch sehr fragliche Kombi aus Kopftuch und Sonnenbrille - keine Angst, ich bin nicht konvertiert!). Das salzige Brackwasser frisst an deinen Füßen. Ungelogen, so habe ich gefühlt als ich nur 20 min. lang versucht habe, das offne Wasser bei Ebbe zu finden - für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Und bei solchen Bedingungen gehen die Frauen des kleinen Fischerdorfes Jambiani, indem ich war, Tag für Tag bei Ebbe raus, um das Seegras zu ernten, was im Meer angebaut wird. Seegras wird z.B. für pharmazeutische und kosmetische Zwecke gebraucht. Naja, ich kann euch sagen, dieser Knochenjob wäre nichts für mich.

Die Flut war immer morgens und am späten Nachmittag da, so dass man 2 mal täglich schön im Wasser entspannen und die Seele baumeln lassen konnte, was ich auch wirklich nach einem halben Jahr Arbeit ohne Pause und meinem stressigen Referendariat dringend nötig hatte. Aber bei einem solchen Anblick viel mir das wirklich nicht schwer. Das Foto in der Abenddämmerung ist übrigens von meiner Bungalowterrasse aus fotografiert.

Urlaubsvorbereitung und anderer Stress

So, da bin ich wieder - nach langer Abstinenz auf meinem Blog. Die kann ich aber ganz leicht damit erklären, dass die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr und auch die darauffolgende Zeit furchtbar stressig waren im Büro. Zudem ich mich neben dem hier herrschenden Bürochaos auch noch um meine Urlaubsvorbereitungen kümmern musste - oh, welch eine Bürde ;)
Naja, zu diesen Vorbereitungen gehörte auch der Erhalt meines Jahresvisum für Ruanda, was gar nicht so einfach war. Für dein Verständnis, warum das nun so kompliziert war, ist es vielleicht gut, die Vorgeschichte dazu zu kennen. Als Deutscher darf man sich nach Einreise in Ruanda ohne weitere Erlaubnis nur 3 Monate lang aufhalten. Wer länger bleibt, so wie ich also, muss ein längerfristiges Visum beantragen. Bisher war es ein ungeschriebenes Gesetz unter deutschen Freiwilligen in Ruanda, dass sie, um diesen schweren Gang zu den Behörden zu umgehen, alle 3 Monate in ein Nachbarland ausgereist und kurz darauf wieder "neu" in Ruanda eingereist sind. Somit erhält man dann als deutscher "Tourist" immer wieder die 3 monatige Berechtigung, sich in Ruanda aufzuhalten. Allerdings ist diese Geschichte eher halbseiden. Wenn die ruandischen Behörden dir "ans Bein pinkeln" wollen, kannst du auch im schlimmsten Fall im Gefängnis landen, was besonders hier in Ruanda nicht viel Spaß macht (ihr erinnert euch: Genozid-Mörder, allgemeine Zustände in Gefängnissen der 3. bzw. 4. und 5. Welt, usw.). Nun, gut, weil das eben so 'ne Kiste ohne Garantie für die Freiwilligen ist, hat unser "Boss" für uns mit der "Faust auf den Tisch gehauen" und eine offizielle Beantragung eines Jahresvisums für uns verlangt - auf Kosten des Hauses (an dieser Stelle möchte ich einen Dank an unseren Chef aussprechen: dankeschön Michael!!!). Nun gut, das Visum wurde schließlich fristgerecht bei den ruandischen Behörden beantragt. Zu unserem Pech nur leider kurz vor Ausbruch der diplomatischen Spannungen zwischen Ruanda und Deutschland. Mein Visum wurde Mitte November beantragt und erhalten habe ich es dann in der Woche, in der ich nach Tansania gereist bin. Zwischendurch haben mich die Behörden immer wieder mit ein paar kleinen, meiner Meinung nach, Schikanen geärgert wie z.B. Führungszeugnis als Kopie - nein doch lieber als Original; Bestätigung des Arbeitsverhältnisses von seiten der Arbeitsstelle - ach nein doch bitte lieber den kompletten Arbeitsvertag, aber natürlich ins Englische übersetzt; usw.... Doch letztendlich haben sie sich meiner nach den ganzen Spielchen doch erbarmt und mir das Jahresvisum ausgestellt. Das Ganze hat sich übrigens über mehr als 2 Monate gezogen! Wieder einmal eine Geduldsprobe für meine europäische Weltanschauung. Aber ich kann dir sagen, in der letzten Woche ist mir der Geduldsfaden echt geplatzt, weil ich ohne dieses Visum nicht hätte ausreisen dürfen und indem Falle hätte es dann richtig ärger gegeben. Puh, aber zum Glück hat zu guter Schluss doch noch alles gepasst.
Nachdem dann auch das geklärt war, konnte ich in Ruhe meine Vorbereitungen für Tansania (Sansibar und Bagamoyo) abschließen und mich auch wider auf die eigentliche Arbeit im Büro konzentrieren. Am Samstag, den 24.01.2009 ging es dann endlich los. Sansibar, ich komme...

Dienstag, 13. Januar 2009

Silvester in Ruanda

Du erwartest bestimmt, dass ich dir jetzt beschreibe, wie Silvester so in Ruanda abläuft. Pusteblume- da kann ich dir leider auch nicht weiterhelfen, denn irgendwie haben mich an diesem berüchtigten Tage Halsschmerzen niedergeschmettert. Ich schlag also am Silvesterabend enttäuscht im Bett. Meine einzige Aufmunterung "Dinner for one" auf Video. Gegen Mitternacht habe ich dann vereinzelt ein paar Raketen gehört. Nebenan das 5 Sternehotel "Serena" (die es aber nicht verdient hat) hat ordentlich was hochgehen lassen, aber nicht vergleichbar mit uns in Deutschland.

Das neue Jahr ist für mich dann genauso unspektakulär gestartet, wie das alte sich verabschiedet hat - viel Arbeit, wenig Freizeit und wenn Freizeit, so müde, dass ich die mit schlafen verbringe. Von Sport kann da leider immer noch nicht die Rede sein.

Ach übrigens, statt kleiner Trockenzeit, die wir jetzt eigentlich schon längst haben müssten, schüttet es hier immer noch wie aus Eimern.

Weihnachten und andere Grillfeste


Empfang unserer Gäste an Heiligabend vor "unserem" Haus.


Eine Weile zuvor die eine mehr oder weniger fleißig bei den Vorbereitungen mit Sarah und Lars Schwester. Das ist übrigens unsere Terasse auf der wir in den Pausen und nach Feierabend gerne relaxen. Im Hintergrung kann man unseren einstmals schönen Garten erahnen. Dieser musste jetzt einer Büroerweiterung weichen.



Unsere Küche und ich beim Schnibbeln.




Sarah und Lars in vollere Vorfreude. Im Hintergrund unser Grill und der Stall von Lumpi (leider jetzt nicht zu sehen) und Happen (das weiße Kanninchen).


Ja, ja, ich weiß, ich bin etwas zu spät dran. Trotzdem hoffe ich, dass du eine besinnliche Zeit verbracht hast und gut ins neue Jahr gestartet bist.
Bei uns kam hier in der Jumelage bis zuletzt einfach keine Weihnachtsstimmung auf. Trotzdem bin ich dann am 24. Dezember in knalliger Hitze losgezogen und habe für ein paar Leute noch kleine Geschenke ergattert.
Am Abend saßen wir dann gemütlich mit unseren Gästen beim Grillen zusammen. Ihr könnt euch das so vorstellen:
warmer, lauer Sommerabend, die Glut im Grill, die Fleischspieße brutzeln oben drauf und die Salate sind einfach frisch und lecker
Wir hatten soviel zu essen, dass uns danach allen der Bauch gelpatzt ist - was ich leider noch heute an meiner zwickenden Hose spüre.