Dienstag, 11. November 2008

Politik - Mittendrin, statt nur dabei

Mh, sicherlich hast du bereits aus den Nachrichten erfahren, dass momentan das Verhältnis zwischen Ruanda und Deutschland auf Grund der Verhaftung der ruandischen Protokollchefin Paul Kagames (ruandischer Präsident) sehr gespannt ist. Ansonsten informier dich mal darüber, damit du weißt, was ich meine. Ich habe gestern nichts von den Demonstationen vor der deutschen Botschaft mitbekommen, weil ich im Außendienst war. Aber meine Kollegen berichteten mir ganz aufgeregt davon. In ganz Kigali seien ab 14 Uhr alle Geschäfte für 2 Stunden geschlossen gewesen. Meine beiden Mitbewohner haben eine SMS erhalten, in der auf kinyarwandisch darauf aufgerufen wurde, zu demonstrieren. Sarah war das ziemlich unheimlich. Heute hat man die Demonstrationslaute bis zu unserem Büro gehört (allerdings liegt die deutsche Botschaft auch nicht so weit von uns entfernt). Als ich an das Tor ging, um herauszufinden, was das für ein Lärm auf der Straße sei, erklärte mir unser Wächter, dass es die Demonstranten seien. Eben, so gegen 21.30 Uhr haben wir dann hier aus dem Radio erfahren, dass der deutsche Botschafter innerhalb von 48 Stunden Ruanda verlassen muss, bis die Angelegenheit mit seiner Protokollchefin gelöst ist. Was das nun für uns als Deutsche hier in Ruanda bedeutet, weiß ich allerdings noch nicht. Ich bin wirklich mal gespannt, was das morgen alles geben wird. Meine Mitbewohnerin hatte ja heute schon ein mulmiges Gefühl, als sie raus auf die Straße ging. Ich selbst kann die Stimmung der Menschen hier den Deutschen gegenüber gar nicht so richtig einschätzen, da ich diese Woche noch gar nicht aus der Jumelage herausgekommen bin. Wir werden wohl erst noch bis morgen warten müssen, um zu erfahren, wie es weiterläuft. Ich hoffe, dass wir von unseren Kollegen und auch von unserem Chef mehr Details erfahren werden und dass sie uns Tips geben, wie wir mit der Situation am besten umgehen können. Ich werde dich auf dem Laufenden halten, wie sich die Dinge hier vor Ort entwickeln. Ich hoffe nur, dass ich in dieser Situation überhaupt ein Visum von den ruandischen Behören ausgestellt bekomme. Drück mir und meinen beiden Kollgen die Daumen! Es ist schon komig. Am Sonntag war hier alles noch in Ordnung und auf einmal ist man irgendwie mittendrin statt nur dabei.

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